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Radwege

Risiko Radweg: Auf der Straße fährt es sich am sichersten

feldstrasse_01Dies ist der Titel eines Beitrags der Lübecker Nachrichten über eine Langzeitstudie von Hauptkommissar Karsten Witt, Leiter der Polizeiwache Bargteheide.

Aus den Lübecker Nachrichten:

„Bad Oldesloe - Erstaunliches Ergebnis einer Langzeitstudie von Hauptkommissar Karsten Witt: Nach Auswertung von Statistiken kam er zu dem Resultat, dass die meisten Radunfälle auf dem Radweg passieren.



Radfahrer sind auf der Straße am sichersten unterwegs. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von Polizeihauptkommissar Karsten Witt auf Einladung der Bargteheider AG Radwege vorgestellt wurde. „In Lübeck habe ich in der Verkehrsunfalluntersuchung mitgearbeitet und drei Jahre lang Unfälle mit Fahrrädern im Kreis Stormarn und in Lübeck ausgewertet“, so Witt, der seit 1. Mai die Bargteheider Polizeiwache leitet.

„In Stormarn gibt es 200 bis 250 Fahrradunfälle im Jahr, in Lübeck 1800.“ Dazu komme eine hohe Dunkelziffer, „man weiß, dass bei zehn Schulwegunfällen nur in zwei Fällen die Polizei benachrichtigt wird.“ Witt hat die Unfallkonstellationen und Forschungsberichte zum Thema analysiert. Das Ergebnis: „Von Unfällen sind überwiegend Radfahrer betroffen, die nicht auf der Straße gefahren sind, sondern auf Geh- oder Radweg.“

Angeführt wird die Unfallstatistik von Radfahrern, die den linken Radweg benutzen und dann von abbiegenden Autos übersehen werden. „Autofahrer, die abbiegen wollen, achten auf den Autoverkehr“, begründet Witt. „Radfahrer, die von rechts kommen, liegen in einem ungünstigen Winkel und werden nicht wahrgenommen.“ Dazu missversteht der Radfahrer das Warten des Autos vor dem Abbiegen als Signal, dass der Fahrer den Radfahrer vorbeilässt. Auf Platz zwei der Unfallursachen liegen Ein- und Ausfahrten, wo Radfahrer auf Geh- und Radweg von Autos erfasst werden. Drittens bergen Fußgängerüberwege Gefahren, wenn Radfahrer diese auf dem Rad queren. „Das ist erlaubt“, betont Witt. Auf Platz vier findet man Radfahrer, die sich begegnen, gefolgt von Rechtsabbiegern an der Ampel und der geöffneten Autotür.

„Tödliche Unfälle passieren am häufigsten dann, wenn Radfahrer die Straße plötzlich überqueren“, so Witt weiter. Kindern sage ich im Präventionsunterricht, dass sie zum Queren der Straße absteigen sollen.“ Bis zehn Jahre sei das Fahren auf dem Gehweg erlaubt, was nach Witts Einschätzung eine zwiespältige Sache ist. „Es gibt eine Risikofaktor-Liste, nach der das Fahren auf der Fahrbahn mit dem Rad einen Risikofaktor von 3,4 hat, auf dem linken Radweg dagegen von 11,9.“ Das Fahren ohne Licht spiele für das Unfallgeschehen kaum eine Rolle, „das ist nur ein gefühltes Problem.“

In Bargteheide hat es von 2007 bis 2010 insgesamt 90 gemeldete Fahrradunfälle gegeben. „Ein Unfallschwerpunkt liegt an der B 75 mit 27 Unfällen, gefolgt von der Rathausstraße mit 13 Unfällen und der Jersbeker Straße mit zwölf Unfällen.“ Auch hier stehen die Unfälle auf dem Radweg an der Spitze. „In drei Viertel aller Fälle sind die Autofahrer Schuld“, stellt Witt fest. „Vorfahrtregelungen zwischen Rad und Auto sind ein Problem, viele Fahrer wissen nicht Bescheid.“ Wer argumentiert, dass die Radfahrer ja auf dem Radweg fahren, so dass dort auch die meisten Unfälle passieren, liegt falsch: „Im Schneewinter sind Radfahrer auf die Straße ausgewichen, ohne dass die Zahl der Unfälle sich erhöht hat.“ In einigen Städten gehe man deshalb dazu über, auf der Fahrbahn einen farbig markierten Streifen für Radfahrer einzuzeichnen. „Mit dieser Art der Verkehrsführung hat man gute Erfahrungen gemacht.“

Für Bargteheide sieht Karsten Witt bei der Radwegführung Verbesserungsbedarf: „Einige Schilder sind in so schlechtem Zustand, dass man sie kaum noch erkennt. Eine Benutzungspflicht für Radwege sollte man nur in Ausnahmefällen erteilen, und am Kreisverkehr sollte man Radfahrer nicht durch den Radweg auf den Zebrastreifen lenken, sondern auf der Fahrbahn im Verkehr mitschwimmen lassen.“ Grundsätzlich solle ein Ort sich auf eine einheitliche Regelung zur Radverkehr-Führung einigen.“

Quelle: Lübecker Nachrichten www.LN-online.de

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